Mehr Sicherheit: Android sperrt künftig Schnelleinstellungen

Ein verlorenes oder gestohlenes Smartphone ist schon schlimm genug. Noch problematischer wird es, wenn ein Dieb direkt vom Sperrbildschirm aus WLAN, mobile Daten oder andere Verbindungen deaktivieren kann.
Genau an dieser Stelle will Google Android künftig sicherer machen.
In einer aktuellen Android-Canary-Version testet Google eine neue Funktion namens „Require unlock for Quick Settings“. Ist sie aktiviert, müssen bestimmte Schnelleinstellungen erst nach erfolgreicher Entsperrung des Smartphones verwendet werden.
Das Problem mit den Schnelleinstellungen
Die Schnelleinstellungen gehören zu den praktischsten Funktionen von Android.
Ein Wisch vom oberen Bildschirmrand genügt und schon lassen sich unter anderem:
WLAN
Bluetooth
mobile Daten
Flugmodus
Taschenlampe
automatische Bildschirmdrehung
Dark Mode
ein- oder ausschalten.
Das funktioniert teilweise auch dann, wenn das Smartphone noch gesperrt ist.
Im Alltag ist das bequem. Bei einem gestohlenen Smartphone kann genau diese Bequemlichkeit allerdings zum Sicherheitsproblem werden.
Ein Dieb könnte beispielsweise versuchen, mobile Daten oder WLAN zu deaktivieren oder den Flugmodus einzuschalten. Dadurch kann es schwieriger werden, das Smartphone weiterhin über Googles Ortungsfunktionen zu erreichen.
Entsperren wird für wichtige Schalter Pflicht
Google arbeitet deshalb an einer neuen Option, mit der bestimmte Schnelleinstellungen auf dem Sperrbildschirm geschützt werden können.
In der aktuellen Canary-Version betrifft das vier besonders wichtige Funktionen:
WLAN, Bluetooth, mobile Daten und Flugmodus.
Versucht jemand, einen dieser Schalter auf einem gesperrten Gerät zu betätigen, verlangt Android zunächst die Entsperrung des Smartphones – beispielsweise per Fingerabdruck oder PIN.
Die Schnelleinstellungen selbst verschwinden dabei nicht.
Man kann das Menü weiterhin öffnen und die verschiedenen Schalter sehen. Erst wenn eine geschützte Funktion verändert werden soll, greift die zusätzliche Sicherheitsabfrage.
Taschenlampe und andere Funktionen bleiben erreichbar
Google hatte zuvor sogar mit einer deutlich strengeren Lösung experimentiert.
In einer früheren Android-17-QPR1-Beta gab es Hinweise darauf, dass nahezu sämtliche Schnelleinstellungen auf einem gesperrten Smartphone blockiert werden könnten. Lediglich die Taschenlampe sollte weiterhin ohne Entsperrung funktionieren.
Inzwischen scheint Google einen Mittelweg gewählt zu haben.
Funktionen wie die Taschenlampe, Bildschirmrotation oder der Dark Mode können weiterhin vom Sperrbildschirm aus verwendet werden. Geschützt werden hauptsächlich Einstellungen, über die sich die Netzwerkverbindung des Smartphones beeinflussen lässt.
Das dürfte im Alltag wesentlich praktischer sein.
Die Funktion muss derzeit noch aktiviert werden
Die neue Sicherheitsfunktion ist aktuell nicht automatisch eingeschaltet.
In der Android Canary 2609 befindet sich die Einstellung unter:
Einstellungen → Display & Touch → Sperrbildschirm → Entsperren für Schnelleinstellungen erforderlich
Nach der Aktivierung verlangt Android eine Authentifizierung, bevor WLAN, Bluetooth, mobile Daten oder der Flugmodus verändert werden können.
Dabei sollte man allerdings beachten: Die Canary-Versionen von Android sind ausdrücklich experimentelle Vorabversionen. Google nutzt diesen Kanal, um neue Funktionen frühzeitig zu testen. Eine Funktion aus einem Canary-Build muss deshalb nicht zwangsläufig unverändert in einer regulären Android-Version erscheinen.
Google baut den Diebstahlschutz weiter aus
Die geschützten Schnelleinstellungen passen zu Googles aktueller Strategie, Android besser gegen Smartphone-Diebstahl abzusichern.
Bereits in den vergangenen Android-Versionen wurden mehrere Schutzfunktionen eingeführt und erweitert.
Dazu gehören beispielsweise automatische Sperren nach verdächtigen Bewegungen oder fehlgeschlagenen Entsperrversuchen sowie zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen über Googles Geräteortung.
Mit Android 17 hat Google außerdem den Modus „Als verloren markieren“ erweitert. Wird ein Gerät als verloren gemeldet, können zusätzliche Schutzmaßnahmen aktiviert werden. Dazu gehören unter anderem das Ausblenden der Schnelleinstellungen und Einschränkungen für neue WLAN- und Bluetooth-Verbindungen.
Die neue Sperre für einzelne Schnelleinstellungen geht noch einen Schritt weiter, weil sie bereits im normalen Sperrzustand des Smartphones greifen kann.
Kleine Änderung mit sinnvoller Wirkung
Eigentlich wirkt die Neuerung fast selbstverständlich.
Wenn ein Smartphone gesperrt ist, sollte eine fremde Person schließlich nicht ohne Weiteres Funktionen deaktivieren können, die für die Verbindung und möglicherweise auch für die Ortung des Geräts wichtig sind.
Dass gleichzeitig harmlose Funktionen wie die Taschenlampe weiterhin erreichbar bleiben, ist dabei ein sinnvoller Kompromiss.
Google muss also nicht sämtliche Schnelleinstellungen hinter PIN oder Fingerabdruck verstecken. Es reicht, diejenigen zu schützen, die im Falle eines Diebstahls tatsächlich relevant werden können.
Fazit
Die neue Sperre für die Schnelleinstellungen ist keine spektakuläre Android-Funktion – aber eine, die längst überfällig wirkt.
Wer sein Smartphone verliert oder wem das Gerät gestohlen wird, möchte schließlich nicht, dass jemand mit zwei Wischbewegungen den Flugmodus aktiviert oder wichtige Verbindungen abschaltet.
Mit der neuen Option können WLAN, Bluetooth, mobile Daten und Flugmodus künftig erst nach einer erfolgreichen Entsperrung verändert werden.
Noch befindet sich die Funktion im experimentellen Canary-Kanal. Sollte Google sie in eine reguläre Android-Version übernehmen, wäre das eine kleine, aber durchaus sinnvolle Verbesserung der Gerätesicherheit.