Blackmagic Camera 3.5: Android-App bekommt neue Profi-Funktionen

Blackmagic Design erweitert seine Kamera-App für Android erneut. Mit Blackmagic Camera 3.5 bekommt die kostenlose App mehrere praktische Neuerungen, die vor allem die Bedienung, Fernsteuerung und Nutzung auf aktuellen Android-Geräten verbessern.
Neu sind unter anderem eine Suche innerhalb der Einstellungen, Schnellzugriffe auf gespeicherte Kamera-Presets, 10-Bit-Vorschauen bei der Fernsteuerung, Optimierungen für Android 17 und ein geringerer Akkuverbrauch.
Außerdem erhalten einige aktuelle Smartphones von Oppo und OnePlus zusätzliche Unterstützung für Log-Aufnahmen.
Einstellungen lassen sich jetzt durchsuchen
Blackmagic Camera besitzt inzwischen ziemlich viele Optionen.
Neben klassischen Kameraeinstellungen wie:
ISO
Verschlusswinkel
Weißabgleich
Framerate
Fokus
Stabilisierung
gibt es zahlreiche Einstellungen für Monitoring, LUTs, Audio, externe Geräte, Cloud-Synchronisation und Remote-Kameras.
Mit Version 3.5 kommt deshalb eine Funktion hinzu, die eigentlich längst überfällig war:
eine Suchfunktion für die Einstellungen.
Statt sich durch mehrere Untermenüs zu klicken, kann man künftig einfach nach einer bestimmten Funktion suchen und direkt zur passenden Einstellung springen.
Gerade bei einer App, die sich stark an professionelle Kameras orientiert, dürfte das im Alltag einiges an Zeit sparen.
Kamera-Presets direkt vom App-Symbol starten
Ebenfalls neu sind Preset-Shortcuts.
Blackmagic Camera erlaubt schon länger das Speichern verschiedener Kamera-Konfigurationen.
Das ist beispielsweise praktisch, wenn man regelmäßig zwischen mehreren Aufnahmearten wechselt.
Man könnte sich etwa Presets anlegen für:
4K 24 fps
4K 60 fps
Log-Aufnahme
oder
Low-Light-Aufnahmen.
Mit Version 3.5 lassen sich zuletzt verwendete Presets nun direkt über das App-Symbol aufrufen.
Dazu hält man das Blackmagic-Camera-Symbol auf dem Android-Startbildschirm gedrückt und wählt anschließend eines der zuletzt verwendeten Presets aus.
Die App startet dann direkt mit dieser Konfiguration.
Praktisch für unterschiedliche Aufnahmesituationen
Das klingt zunächst nach einer kleinen Funktion, kann bei häufiger Nutzung aber ziemlich angenehm sein.
Wer beispielsweise tagsüber mit einer anderen Konfiguration arbeitet als abends, muss nicht jedes Mal mehrere Einstellungen verändern.
Ein langer Druck auf das App-Symbol reicht.
Damit orientiert sich Blackmagic Camera stärker an einem professionellen Workflow, bei dem verschiedene Kamera-Setups vorbereitet und bei Bedarf schnell geladen werden.
10-Bit-Vorschau bei der Fernsteuerung
Eine der technisch interessanteren Neuerungen betrifft die Remote-Control-Funktion.
Blackmagic Camera kann bereits mehrere Smartphones beziehungsweise Kameras innerhalb eines Netzwerks fernsteuern.
Ein Smartphone kann dabei als Controller verwendet werden, während ein anderes Gerät als Kamera dient.
Mit Version 3.5 unterstützt die Vorschau auf kompatiblen Smartphones und Tablets nun native 10-Bit-Darstellung.
Dadurch können deutlich feinere Abstufungen bei Farben und Helligkeit dargestellt werden.
Was bringt 10 Bit?
Bei einer 8-Bit-Darstellung stehen pro Farbkanal 256 Abstufungen zur Verfügung.
Bei 10 Bit sind es 1.024 Abstufungen pro Kanal.
Das kann insbesondere bei:
Himmel
Farbverläufen
Schatten
Hauttönen
Log-Material
sichtbare Vorteile bringen.
Banding – also sichtbare Streifen innerhalb eigentlich weicher Farbverläufe – kann dadurch reduziert werden.
Gerade bei professionellem Monitoring ist eine hochwertigere Vorschau deshalb sinnvoll.
Allerdings nicht auf jedem Gerät
Wie bei vielen Funktionen von Blackmagic Camera gilt auch hier:
Die Unterstützung hängt vom Smartphone beziehungsweise Tablet ab.
Nicht jedes Android-Gerät kann eine native 10-Bit-Vorschau darstellen.
Blackmagic weist generell darauf hin, dass verschiedene Kamera-, Codec- und Monitoring-Funktionen hardwareabhängig sind.
Wer ein kompatibles Display besitzt, bekommt mit Version 3.5 aber eine deutlich hochwertigere Remote-Vorschau.
Android 17 wird optimiert
Blackmagic Camera 3.5 bringt außerdem explizite Optimierungen für Android 17 mit.
Die App benötigt laut Blackmagic grundsätzlich mindestens Android 13.
Dass die Entwickler die Anwendung bereits gezielt für Android 17 optimieren, ist deshalb ein gutes Zeichen.
Gerade Kamera-Apps greifen vergleichsweise tief auf:
Kamerasensoren
Codecs
Display
Audio
externe Speicher
USB-Geräte
zu.
Neue Android-Versionen können deshalb durchaus Auswirkungen auf Performance und Kompatibilität haben.
Weniger Akkuverbrauch
Eine weitere Verbesserung dürfte praktisch jeder Nutzer bemerken können.
Blackmagic Design hat nach eigenen Angaben die Energieeffizienz verbessert.
Version 3.5 soll dadurch beim Filmen weniger Akku verbrauchen.
Gerade bei längeren Aufnahmen ist das wichtig.
Videoaufnahme gehört ohnehin zu den energieintensivsten Aufgaben eines Smartphones.
Dauerhaft aktive Kamera, Display, Prozessor, Bildstabilisierung und Video-Encoding sorgen dafür, dass der Akku teilweise ziemlich schnell leer wird.
Jede Optimierung in diesem Bereich ist deshalb willkommen.
Oppo Find X10 bekommt O-Log2
Auch Besitzer aktueller Oppo-Geräte bekommen eine wichtige Neuerung.
Blackmagic Camera 3.5 unterstützt auf dem Oppo Find X10 jetzt Aufnahmen mit:
Oppo O-Log2.
Dabei handelt es sich um ein flaches Log-Farbprofil, das mehr Spielraum für die spätere Farbkorrektur bieten soll.
Ein Log-Bild sieht direkt aus der Kamera meist:
kontrastarm
blass
wenig gesättigt
aus.
Das ist jedoch Absicht.
Die eigentliche Farbgestaltung erfolgt anschließend beispielsweise in DaVinci Resolve.
Auch OnePlus 16 unterstützt O-Log2
Die gleiche Erweiterung kommt außerdem für die OnePlus-16-Serie.
Auch dort kann Blackmagic Camera künftig mit O-Log2 aufnehmen.
Das dürfte vor allem Nutzer interessieren, die ihr Smartphone tatsächlich für ambitionierte Videoaufnahmen oder kleinere Produktionen verwenden.
Log-Profile sind inzwischen längst nicht mehr ausschließlich professionellen Filmkameras vorbehalten.
Immer mehr aktuelle Smartphones bieten entsprechende Modi an.
Blackmagic Camera macht diese Funktionen anschließend innerhalb einer professionelleren Kameraoberfläche nutzbar.
Blackmagic Camera bietet deutlich mehr als die normale Kamera-App
Die Anwendung richtet sich ohnehin weniger an Nutzer, die einfach nur schnell ein Video aufnehmen möchten.
Blackmagic Camera orientiert sich optisch und funktional stark an den eigenen Digitalfilmkameras des Herstellers.
Direkt über die Oberfläche lassen sich beispielsweise einstellen:
Framerate
ISO
Verschlusszeit beziehungsweise Verschlusswinkel
Weißabgleich
Fokus
Belichtung
Zebra
Focus Peaking
False Color
Histogramm
Audiopegel
Bildseitenverhältnis
LUTs
Die App kann außerdem – abhängig vom Smartphone – Videos in H.264, H.265 und dem Advanced Professional Video Codec APV aufnehmen.
Bis zu 8K sind möglich
Auf entsprechend leistungsfähiger Hardware unterstützt Blackmagic Camera Aufnahmen mit einer Auflösung von bis zu 8K.
Welche Auflösung, Bildrate und welcher Codec tatsächlich zur Verfügung stehen, hängt allerdings vom jeweiligen Smartphone ab.
Ein Pixel oder Galaxy bietet also nicht zwangsläufig dieselben Funktionen wie ein Oppo-, OnePlus- oder Xiaomi-Gerät.
Gerade unter Android ist das aufgrund der unterschiedlichen Kamera-Hardware kaum anders möglich.
Blackmagic Cloud ist direkt integriert
Eine der großen Besonderheiten der App bleibt außerdem die Integration mit Blackmagic Cloud.
Aufnahmen können direkt mit einem DaVinci-Resolve-Projekt synchronisiert werden.
Damit könnte beispielsweise jemand unterwegs mit dem Smartphone filmen, während ein Editor an einem völlig anderen Ort bereits mit dem Material arbeitet.
Das richtet sich vor allem an professionelle Workflows, kann aber natürlich auch für kleinere Teams interessant sein.
Remote-Funktionen wurden zuletzt stark ausgebaut
Die neue 10-Bit-Vorschau baut auf Funktionen auf, die Blackmagic Design erst in den vergangenen Monaten deutlich erweitert hat.
Mit Version 3.4 kamen unter anderem:
4K-HDMI-Ausgabe
HDMI-Audio
Wear-OS-Fernsteuerung
REST-API-Steuerung
pausierbare Daueraufnahme
Unterstützung für Blackmagic Focus und Zoom Demands
Remote Camera Manager
Proxy Clip Manager
hinzu.
Version 3.5 wirkt deshalb weniger wie ein komplett neues Funktionspaket und mehr wie die nächste Ausbaustufe dieser professionellen Remote- und Produktionsfunktionen.
Welche Geräte werden unterstützt?
Blackmagic Design nennt inzwischen eine relativ breite Auswahl kompatibler Android-Geräte.
Dazu gehören unter anderem Modelle aus folgenden Serien:
Samsung Galaxy S21 bis S25
Google Pixel 6 bis Pixel 9
OnePlus 11 und 12
Xiaomi 13 und 14
Sony Xperia 1, 5 und Pro-I
kompatible Oppo-Geräte
kompatible Vivo-Geräte
Samsung Galaxy Tab S9
Xiaomi Pad 6
Allerdings weist Blackmagic ausdrücklich darauf hin, dass nicht auf jedem Gerät sämtliche Funktionen verfügbar sind.
Neuere Geräte wie das Oppo Find X10 oder die OnePlus-16-Serie werden mit Version 3.5 zusätzlich gezielt berücksichtigt.
Kostenlos bleibt die App weiterhin
Blackmagic Camera ist weiterhin kostenlos erhältlich.
Die Android-Version kann über Google Play heruntergeladen werden. Blackmagic bietet die App außerdem über den Galaxy Store an.
Damit bleibt sie eine der interessantesten kostenlosen Alternativen zu den Standard-Kamera-Apps vieler Android-Hersteller.
Vor allem dann, wenn man mehr manuelle Kontrolle über Videoaufnahmen möchte.
Keine App für jeden Schnappschuss
Trotzdem sollte man die Zielgruppe im Blick behalten.
Für ein schnelles Familienvideo dürfte die normale Kamera-App des Smartphones weiterhin bequemer sein.
Blackmagic Camera richtet sich stärker an Nutzer, die bewusst Kontrolle über ihre Aufnahme haben möchten.
Wer beispielsweise selbst entscheiden möchte:
Mit welchem Verschlusswinkel filme ich?
Welche ISO soll verwendet werden?
Welches Farbprofil möchte ich?
Wie soll mein Bild überwacht werden?
bekommt wesentlich mehr Möglichkeiten als in vielen normalen Kamera-Apps.
Fazit
Mit Blackmagic Camera 3.5 bekommt die Android-Version erneut mehrere sinnvolle Verbesserungen.
Die neue Einstellungssuche und Preset-Shortcuts machen die Bedienung schneller.
Die native 10-Bit-Vorschau bei der Fernsteuerung verbessert das Monitoring auf kompatibler Hardware.
Hinzu kommen:
Android-17-Optimierungen, ein geringerer Akkuverbrauch sowie O-Log2-Unterstützung für Oppo Find X10 und OnePlus 16.
Das klingt nicht nach einem riesigen Versionssprung.
Für Nutzer, die tatsächlich regelmäßig mit Blackmagic Camera filmen, sind es aber genau die Art von Verbesserungen, die im Alltag einen Unterschied machen können.
Besonders interessant bleibt dabei, wie konsequent Blackmagic Design Android inzwischen unterstützt.
Aus einer professionelleren Kamera-App für einige wenige Smartphones ist in relativ kurzer Zeit ein ziemlich umfangreiches mobiles Produktionswerkzeug geworden.
Und das weiterhin kostenlos.