Thunderbird 157.0 ist da: Viele Korrekturen für Mail, Kalender und OpenPGP

Thunderbird bekommt das nächste größere Monatsupdate. Mit Thunderbird 157.0 steht seit dem 30. September 2026 eine neue Version des freien Mail-Clients bereit.
Ein komplett neues Design oder spektakuläre Funktionen sollte man diesmal allerdings nicht erwarten. Stattdessen konzentriert sich das Update vor allem auf das, was im Alltag mindestens genauso wichtig ist: Fehlerbehebungen, Stabilität, bessere Authentifizierung und zahlreiche kleinere Verbesserungen bei E-Mail, Kalender und OpenPGP.
Zusätzlich erweitert Thunderbird die Möglichkeiten für Unternehmen, bestimmte Funktionen zentral zu deaktivieren.
Thunderbird 157.0 gehört zum monatlichen Release-Kanal
Bevor wir uns die Änderungen ansehen, ist eine kleine Unterscheidung wichtig.
Thunderbird bietet inzwischen zwei unterschiedliche Veröffentlichungsmodelle an.
Der Release-Kanal bekommt ungefähr monatlich eine neue Hauptversion und erhält neue Funktionen entsprechend früher.
Daneben gibt es die Extended Support Release – kurz ESR, die länger auf einer Hauptversion bleibt und sich besonders für Nutzer und Unternehmen eignet, die möglichst wenige größere Änderungen möchten.
Thunderbird 157.0 gehört zum monatlichen Release-Kanal.
Die aktuelle ESR-Generation ist dagegen Thunderbird 153 „Meadow“.
Wer Thunderbird 153 ESR verwendet, bekommt also nicht automatisch Thunderbird 157 angeboten.
Neue Richtlinien für Unternehmen
Eine der wenigen tatsächlichen neuen Funktionen richtet sich hauptsächlich an Unternehmen und Administratoren.
Thunderbird 157.0 führt zwei neue Enterprise Policies ein:
DisableChat
und
DisableFileLink
Mit DisableChat lässt sich die integrierte Chat-Funktion zentral deaktivieren.
DisableFileLink ermöglicht es Administratoren dagegen, die FileLink-Funktion abzuschalten.
Gerade in Unternehmensumgebungen kann das sinnvoll sein.
Dort sollen Nutzer häufig nur bestimmte freigegebene Kommunikations- oder Cloud-Dienste verwenden. Über zentrale Richtlinien können Administratoren solche Vorgaben durchsetzen, ohne jeden einzelnen Thunderbird-Rechner manuell konfigurieren zu müssen.
OpenPGP bekommt mehrere Verbesserungen
Auch bei der integrierten OpenPGP-Unterstützung hat das Thunderbird-Team weitergearbeitet.
Thunderbird kann nun externe Inhalte in OpenPGP-Nachrichten anzeigen, wenn diese mit Integritätsschutz verschlüsselt wurden.
Darüber hinaus wurden mehrere konkrete Fehler beseitigt.
So konnte die automatische OpenPGP-Schlüsselsuche bislang Probleme machen, wenn ein alter Schlüssel widerrufen worden war und ein neuer Ersatzschlüssel existierte.
Thunderbird fand diesen Ersatz unter bestimmten Umständen nicht korrekt.
Dieser Fehler wurde mit Version 157 behoben.
Gültige RSA-Schlüssel wurden teilweise abgelehnt
Noch unangenehmer war ein weiterer OpenPGP-Fehler.
Thunderbird konnte bestimmte eigentlich gültige RSA-OpenPGP-Schlüssel ablehnen.
Dadurch ließ sich eine Nachricht unter Umständen nicht verschlüsseln, obwohl der vorhandene Schlüssel technisch gültig war.
Auch dieses Problem soll mit Thunderbird 157.0 nicht mehr auftreten.
Für Nutzer, die Thunderbird regelmäßig für verschlüsselte Kommunikation verwenden, sind solche Korrekturen wesentlich wichtiger als irgendeine neue optische Funktion.
RNP-Kommandozeilenwerkzeuge fliegen raus
Eine technische Änderung betrifft ebenfalls OpenPGP.
Die Kommandozeilenwerkzeuge des von Thunderbird verwendeten RNP-Projekts werden nicht länger gemeinsam mit Thunderbird ausgeliefert.
Die eigentliche OpenPGP-Funktion des Mail-Clients bleibt davon unberührt. Entfernt werden lediglich die separat nutzbaren RNP-Kommandozeilenprogramme.
Für die meisten normalen Nutzer dürfte sich dadurch überhaupt nichts verändern.
Relevant ist die Änderung hauptsächlich für Personen, die diese mitgelieferten Werkzeuge außerhalb von Thunderbird verwendet haben.
Schnellfilter ließ sich teilweise nicht öffnen
Auch ein kleiner, aber nerviger Bedienungsfehler wurde korrigiert.
Mit der Tastenkombination:
Strg + Umschalt + K
soll sich die Schnellfilterleiste von Thunderbird öffnen.
In bestimmten Situationen funktionierte dieser Shortcut allerdings nicht zuverlässig.
Thunderbird 157.0 behebt das Problem.
Thunderbird zeigte teilweise den falschen Absender
Deutlich verwirrender war ein Fehler innerhalb der Nachrichtenliste.
Unter bestimmten Umständen konnte dort der falsche Absender einer E-Mail angezeigt werden.
Gerade bei größeren Postfächern ist das natürlich problematisch, weil die Absenderanzeige eine der wichtigsten Informationen innerhalb der Nachrichtenübersicht ist.
Auch dieser Darstellungsfehler wurde korrigiert.
Fehler konnte für 100 Prozent CPU-Auslastung sorgen
Eine besonders wichtige Korrektur betrifft die Systemauslastung.
Die Statusleiste von Thunderbird konnte nach Abschluss einer Aktivität weiterhin aktiv bleiben.
Im schlimmsten Fall führte das dazu, dass Thunderbird dauerhaft 100 Prozent CPU-Auslastung verursachte.
Das konnte sich natürlich direkt bemerkbar machen:
höherer Stromverbrauch
lautere Lüfter
wärmerer Rechner
schlechtere Akkulaufzeit auf Notebooks
und eine unnötig hohe Systemlast
Dieser Fehler soll mit Version 157.0 behoben sein.
Gesendete Nachrichten konnten verloren wirken
Auch beim Speichern verschickter E-Mails gab es einen unschönen Fehler.
Unter bestimmten Umständen konnte Thunderbird eine Nachricht erfolgreich versenden, sie anschließend aber nicht im IMAP-Ordner „Gesendet“ speichern.
Besonders problematisch: Das Speichern konnte laut Release Notes still fehlschlagen.
Die Nachricht war also verschickt, tauchte aber nicht wie erwartet im Ordner für gesendete E-Mails auf.
Version 157 korrigiert dieses Verhalten.
IMAP-Einrichtung konnte hängen bleiben
Auch die Einrichtung neuer E-Mail-Konten wurde robuster gemacht.
Thunderbird konnte während der Konfiguration eines IMAP-Kontos hängen bleiben, wenn das Programm auf die Begrüßungsantwort des Mailservers wartete.
Statt sauber abzubrechen oder weiterzumachen, blieb die Einrichtung teilweise stehen.
Dieser Fehler wurde ebenfalls beseitigt.
Manuelle Einrichtung wird etwas einfacher
Bei der manuellen Konfiguration von IMAP- und POP-Konten muss die Portnummer künftig nicht mehr zwingend eingetragen werden.
Das entsprechende Feld ist nun optional.
Das ist nur eine kleine Änderung, macht die Einrichtung aber etwas komfortabler.
In vielen Fällen kann Thunderbird den passenden Standardport ohnehin anhand des verwendeten Protokolls und der Verschlüsselung bestimmen.
Verbesserungen für OAuth
Thunderbird hat in den vergangenen Versionen viel Arbeit in die Authentifizierung gesteckt.
Das hängt unter anderem damit zusammen, dass moderne Mailanbieter zunehmend auf OAuth2 setzen und klassische Passwortanmeldungen einschränken.
Auch Thunderbird 157.0 behebt hier wieder mehrere Probleme.
Bei eigenen OAuth-Konfigurationen verlangte Thunderbird beim Endpoint Host bislang fälschlicherweise eine vollständige URL.
Künftig reicht der eigentliche Domainname aus.
Die Thunderbird-Entwickler hatten bereits im September erklärt, dass viele Verbesserungen bei Kontoeinrichtung und Authentifizierung gezielt in den Versionen 156 und 157 gelandet sind.
Gmail-Anmeldung unter Windows stabiler
Auch Nutzer von Gmail könnten von dem Update profitieren.
Die OAuth2-Authentifizierung für Gmail konnte unter Windows zeitweise ohne erkennbaren Grund fehlschlagen.
Thunderbird 157.0 enthält dafür eine Korrektur.
Gerade bei einem so weit verbreiteten Anbieter wie Gmail dürfte dieser Bugfix für einige Nutzer spürbar sein.
Exchange bekommt ebenfalls Korrekturen
Thunderbird baut seine Unterstützung für Microsoft-Dienste derzeit deutlich aus.
Seit Thunderbird 154 steht im monatlichen Release-Kanal unter anderem native Unterstützung für die Microsoft Graph API zur Verfügung.
Version 157 behebt nun ein Problem mit der NTLM-Authentifizierung bei Exchange.
Wurde das Passwort aktualisiert, speicherte Thunderbird das neue Kennwort unter bestimmten Umständen nicht richtig.
Dadurch konnte die Anmeldung anschließend erneut fehlschlagen.
Auch das wurde korrigiert.
SMTP-Anmeldung wurde robuster
Beim klassischen Mailversand über SMTP gibt es ebenfalls mehrere Fehlerbehebungen.
Die Authentifizierung über SMTP AUTH LOGIN konnte unter bestimmten Umständen fehlschlagen, nachdem der Server den Benutzernamen abgefragt hatte.
Anschließend wurde die Verbindung geschlossen.
Dieser Fehler wurde beseitigt.
Große OAuth-Tokens konnten den Versand verhindern
Ein weiterer SMTP-Fehler betrifft OAuth2.
War ein Zugriffstoken besonders groß, konnte die maximale Länge einer Kommandozeile überschritten werden.
Die Folge:
Der SMTP-Login schlug fehl und eine E-Mail konnte nicht verschickt werden.
Auch dieses Problem wurde in Thunderbird 157.0 korrigiert.
Nachrichten konnten nach Verschieben verschwinden
Ein ziemlich beunruhigender Fehler trat bei IMAP-Konten auf.
Wenn innerhalb desselben Kontos noch ausstehende Verschiebevorgänge vorhanden waren, konnten Nachrichten scheinbar verschwinden.
Thunderbird 157 behebt den entsprechenden Fehler.
Gerade bei E-Mail-Programmen gehören solche Probleme zu den unangenehmsten Bugs überhaupt. Schließlich muss man sich darauf verlassen können, dass eine verschobene Nachricht anschließend tatsächlich dort liegt, wo sie hingehört.
Bilder verschwanden aus Entwürfen
Auch beim Bearbeiten von E-Mail-Entwürfen gab es ein Problem.
Inline eingefügte Bilder konnten verschwinden, nachdem ein Entwurf erneut bearbeitet und anschließend gespeichert wurde.
Wer beispielsweise einen Newsletter oder eine umfangreichere E-Mail mit eingebetteten Bildern vorbereitet hat, konnte dadurch böse überrascht werden.
Thunderbird 157.0 korrigiert das Verhalten.
CardDAV-Synchronisation repariert
Nicht nur E-Mails sind betroffen.
Auch die Adressbuch-Synchronisation über CardDAV wurde verbessert.
Unter bestimmten Umständen konnte ein CardDAV-Adressbuch nicht synchronisiert werden, wenn für die Verbindung keine Passwortabfrage notwendig war.
Die Synchronisation funktioniert nach dem Update wieder wie vorgesehen.
Mehrere Kalenderprobleme behoben
Der integrierte Thunderbird-Kalender bekommt ebenfalls einige Korrekturen.
Wiederkehrende Termine konnten unter bestimmten Umständen auch nach ihrem eigentlich festgelegten Enddatum weiterhin auftauchen.
Thunderbird 157.0 behebt dieses Problem.
Auch bei CalDAV gibt es Verbesserungen.
Der Inhalt einer Aufgabe konnte nach einer Änderung in einem anderen Kalenderprogramm veraltet bleiben, obwohl die Synchronisation bereits stattgefunden hatte.
Zusätzlich konnten CalDAV-Einladungen fehlschlagen, wenn sie angenommen wurden, bevor der Kalender vollständig synchronisiert war.
Beide Fehler wurden beseitigt.
Nachrichtenfilter werden zuverlässiger
Auch automatische Mailfilter bekommen eine Korrektur.
Thunderbird konnte Suchbedingungen innerhalb eines Filters unter bestimmten Fehlerbedingungen fälschlicherweise als Treffer behandeln.
Dadurch bestand die Möglichkeit, dass ein Filter auf Nachrichten angewendet wurde, auf die er eigentlich gar nicht passte.
Thunderbird 157.0 korrigiert diese falschen Treffer.
Yahoo-Nachrichten konnten leer erscheinen
Ein ungewöhnlicher Fehler betraf Yahoo-Mail.
Wenn bestimmte MIME-Handler über die Thunderbird-Einstellung mailnews.display.disallow_mime_handlers deaktiviert wurden, konnten Yahoo-E-Mails komplett leer angezeigt werden.
Auch dieses Problem wurde mit dem neuen Update beseitigt.
Update-Sperre funktionierte nicht richtig
Für Unternehmen gibt es neben den neuen Richtlinien auch einen wichtigen Bugfix.
Die Enterprise Policy AppUpdatePin soll verhindern, dass Thunderbird über eine von Administratoren festgelegte Version hinaus aktualisiert wird.
Diese Sperre funktionierte allerdings nicht immer zuverlässig.
Thunderbird konnte sich trotz gesetzter Begrenzung auf eine neuere Version aktualisieren.
Mit Thunderbird 157.0 soll die Richtlinie nun korrekt greifen.
Thundermail wird aktualisiert
Das integrierte Thundermail-Add-on erhält ebenfalls eine Aktualisierung.
Thunderbird 157.0 bringt Version:
2.0.16
mit.
Thundermail ist Teil des größeren Vorhabens des Thunderbird-Projekts, eigene Dienste rund um Kommunikation und E-Mail stärker mit dem Desktop-Client zu verbinden.
Auch optisch wurde nachgebessert
Die offiziellen Release Notes nennen zusätzlich verschiedene:
„Visual and UX improvements“
also kleinere Verbesserungen an Oberfläche und Bedienung.
Dabei handelt es sich nicht um ein grundlegendes Redesign.
Vielmehr wurden verschiedene Details innerhalb der Benutzeroberfläche angepasst.
Das Thunderbird-Team arbeitet parallel ohnehin an mehreren größeren UI-Projekten. Dazu gehören unter anderem eine Überarbeitung der Kalenderoberfläche sowie verständlichere Einstellungen mit weniger technischem Fachjargon.
Sicherheitslücken wurden ebenfalls geschlossen
Wie fast jedes größere Thunderbird-Update enthält auch Version 157.0 Sicherheitskorrekturen.
Die Release Notes führen diese ausdrücklich auf, nennen auf der Übersichtsseite allerdings keine Details zu den einzelnen behobenen Schwachstellen.
Allein deshalb empfiehlt es sich grundsätzlich, Thunderbird aktuell zu halten.
Muss ich auf Thunderbird 157 wechseln?
Das hängt davon ab, welchen Thunderbird-Kanal du verwendest.
Wer bereits den monatlichen Release-Kanal nutzt, bekommt Thunderbird 157 als reguläres Update.
Wer dagegen bewusst Thunderbird 153 ESR verwendet, bleibt innerhalb dieser Versionsreihe und erhält dort eigene Wartungs- und Sicherheitsupdates.
Am selben 30. September erschien beispielsweise auch Thunderbird 153.4.0 ESR mit mehreren Fehler- und Sicherheitskorrekturen.
Man muss also nicht zum monatlichen Kanal wechseln, nur um weiterhin Sicherheitsupdates zu bekommen.
Release oder ESR – was ist besser?
Das hängt vom eigenen Nutzungsverhalten ab.
Der monatliche Release-Kanal eignet sich besonders für Nutzer, die neue Funktionen und Verbesserungen relativ früh erhalten möchten.
Thunderbird selbst beschreibt den Kanal als Möglichkeit, neue Entwicklungen monatlich zu bekommen, anstatt auf die nächste jährliche ESR-Version zu warten.
Der ESR-Kanal ist dagegen interessanter, wenn möglichst wenig am System verändert werden soll oder wichtige Erweiterungen eingesetzt werden, deren Kompatibilität besonders wichtig ist.
Für Unternehmen ist ESR ebenfalls häufig die konservativere Wahl.
Fazit
Thunderbird 157.0 ist kein spektakuläres Feature-Update – aber ein ziemlich umfangreiches Wartungsupdate.
Die Entwickler kümmern sich an vielen Stellen um Fehler, die im Alltag durchaus nerven konnten.
Falsche Absenderanzeigen, hohe CPU-Auslastung, verschwundene Inline-Bilder, Probleme beim Speichern gesendeter Nachrichten sowie Fehler bei Gmail, Exchange, SMTP, OpenPGP, CardDAV und CalDAV werden mit der neuen Version adressiert.
Hinzu kommen zwei neue Unternehmensrichtlinien sowie kleinere Änderungen an Kontoeinrichtung und Benutzeroberfläche.
Besonders positiv ist, dass Thunderbird derzeit an vielen kleinen Baustellen gleichzeitig arbeitet.
Nicht jede davon eignet sich für eine große Schlagzeile. In der Summe sorgen solche Korrekturen aber dafür, dass sich der Mail-Client zuverlässiger und ausgereifter anfühlt.
Wer den monatlichen Release-Kanal verwendet, sollte Thunderbird 157.0 deshalb zeitnah installieren.
ESR-Nutzer müssen dagegen nicht wechseln: Für sie steht mit Thunderbird 153.4.0 ESR ebenfalls ein aktuelles Wartungs- und Sicherheitsupdate bereit.