Kostenlos statt Photoshop: Photon Studio will Bildbearbeitung neu denken

Adobe Photoshop gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Programmen für professionelle Bildbearbeitung. Gleichzeitig schrecken Abonnement, Funktionsumfang und die enge Verzahnung mit der Creative Cloud manchen Nutzer ab.
Genau hier möchte Photon Studio ansetzen.
Der noch junge Bildeditor von Tenzen Studio ist kostenlos erhältlich, funktioniert auf Windows 11, macOS und Linux und bringt zahlreiche Werkzeuge mit, die man aus klassischen Ebenen-Editoren kennt.
Dazu gehören Ebenen, Masken, Einstellungsebenen, Smart Objects, Retusche-Werkzeuge und sogar Unterstützung für Photoshop-Dateien im PSD-Format. Besonders interessant: Die Bearbeitung läuft vollständig auf dem eigenen Rechner und ein Benutzerkonto ist nicht erforderlich.
Eine kostenlose Alternative zu Photoshop
Photon Studio wird von seinen Entwicklern ziemlich eindeutig als Alternative zu Photoshop positioniert.
Dabei versucht die Anwendung nicht, lediglich ein einfacher Fotoeditor für Helligkeit, Kontrast und ein paar Filter zu sein.
Stattdessen steht die klassische Arbeit mit mehreren Ebenen im Mittelpunkt.
Unterstützt werden unter anderem:
Ebenen und Ebenengruppen
Masken
Einstellungsebenen
Smart Objects
Ebeneneffekte
Texte
Formen
Retusche
Farbanpassungen
PSD-Dateien
Damit richtet sich Photon Studio sowohl an Nutzer, die Fotos bearbeiten möchten, als auch an diejenigen, die Grafiken und komplexere Kompositionen erstellen.
PSD-Dateien können geöffnet werden
Einer der interessantesten Punkte dürfte für viele Nutzer die PSD-Unterstützung sein.
Photoshop-Dateien gehören längst zu einem Quasi-Standard im professionellen Grafikbereich. Wer mit anderen Designern zusammenarbeitet oder ältere Projekte besitzt, möchte deshalb häufig nicht einfach auf ein vollkommen neues Dateiformat wechseln.
Photon Studio kann PSD-Dateien öffnen und bearbeiten.
Das ist wichtig, sollte aber trotzdem nicht mit einer garantierten hundertprozentigen Photoshop-Kompatibilität verwechselt werden.
PSD ist ein ziemlich umfangreiches Format. Besonders komplexe Dokumente mit speziellen Photoshop-Funktionen, Plug-ins oder ungewöhnlichen Ebeneneffekten können deshalb in alternativen Programmen anders aussehen.
Für normale PSD-Projekte dürfte die Unterstützung trotzdem einer der größten Pluspunkte von Photon Studio sein.
Alles läuft lokal auf dem Rechner
Ein weiterer Schwerpunkt ist das Offline-Konzept.
Photon Studio verarbeitet die geöffneten Dateien direkt auf dem eigenen Computer.
Es gibt:
keinen verpflichtenden Upload
keine Cloud-Warteschlange
keinen Account-Zwang zum Öffnen und Bearbeiten einer Datei
Die eigenen Bilder müssen also nicht erst auf irgendeinen Server übertragen werden, bevor man damit arbeiten kann.
Gerade bei privaten Fotos oder vertraulichen Grafiken ist das angenehm.
Auch KI-Funktionen laufen lokal
Interessant wird das Offline-Konzept bei Funktionen, die heute gerne mit künstlicher Intelligenz verbunden werden.
Photon Studio bietet unter anderem:
Motivauswahl und Hintergrundentfernung.
Nach Angaben des Entwicklers laufen selbst diese Funktionen direkt auf dem Gerät und benötigen keinen Upload in eine Cloud.
Damit unterscheidet sich Photon Studio von einigen modernen Bildeditoren, bei denen KI-Werkzeuge nur über externe Server funktionieren.
Für die Privatsphäre ist das ein klarer Vorteil.
Liquify ist ebenfalls dabei
Wer schon einmal mit Photoshop gearbeitet hat, dürfte das Liquify-Werkzeug kennen.
Damit lassen sich bestimmte Bildbereiche verformen, verschieben und modellieren.
Photon Studio bietet ebenfalls entsprechende Warp-Werkzeuge.
Damit lassen sich beispielsweise kleinere Formen verändern oder bestimmte Bildbereiche gezielt verzerren.
Natürlich gilt auch hier: Wie gut sich das Werkzeug im professionellen Alltag gegenüber Photoshop schlägt, muss sich erst noch zeigen.
Aber dass eine so junge kostenlose Anwendung solche Funktionen bereits integriert, ist durchaus interessant.
Kurven für Helligkeit und Kontrast
Auch die klassische Gradationskurve beziehungsweise Curves-Funktion gehört zum Werkzeugkasten.
Damit lassen sich Helligkeit und Kontrast deutlich feiner kontrollieren als mit einfachen Schiebereglern.
Photon Studio bietet dabei eine Live-Vorschau, sodass Veränderungen direkt im Bild sichtbar werden.
Gerade für Fotografen und anspruchsvollere Bildbearbeitung gehört ein solches Werkzeug praktisch zur Grundausstattung.
Ebeneneffekte für Schatten und Konturen
Photon Studio unterstützt außerdem verschiedene Ebeneneffekte.
Dazu gehören unter anderem:
Schatten
Leuchteffekte
Konturen
Overlays
Die Einstellungen können anschließend angepasst werden, ohne das ursprüngliche Bildelement dauerhaft zu verändern.
Das erinnert stark an klassische Layer Styles aus Photoshop und ist besonders praktisch für Webgrafiken, Social-Media-Bilder oder Blog-Grafiken.
Werkzeuge über die Suche finden
Eine kleine, aber praktische Funktion ist die Command Search.
Darüber lassen sich Werkzeuge und Befehle einfach über ihren Namen suchen.
Gerade wenn ein Programm viele Funktionen besitzt, kann das angenehmer sein, als sich durch mehrere Untermenüs zu klicken.
Für neue Nutzer dürfte das den Einstieg ebenfalls erleichtern.
Windows, macOS und Linux
Photon Studio ist derzeit für drei Desktop-Plattformen verfügbar:
Windows 11
macOS
und
Linux.
Die ursprüngliche Vorstellung von Tenzen Studio konzentrierte sich zunächst auf Windows 11 und macOS. Auf der aktuellen Produktseite wird inzwischen ausdrücklich auch Linux als unterstützte Plattform aufgeführt.
Gerade die Linux-Version macht das Programm interessant, denn Adobe bietet Photoshop bis heute nicht nativ für Linux an.
Dort konkurriert Photon Studio beispielsweise mit GIMP und anderen freien beziehungsweise kostenlosen Grafikprogrammen.
Mittlerweile auch im Microsoft Store
Auf Windows gibt es inzwischen noch eine weitere Möglichkeit zur Installation.
Der Entwickler hat Photon Studio Ende September auch in den Microsoft Store gebracht.
Hintergrund war laut eigener Aussage unter anderem, dass viele Nutzer beim direkten Download durch Windows-Sicherheitswarnungen verunsichert wurden. Die Store-Version soll die Installation entsprechend unkomplizierter machen.
Die Aussage stammt vom Entwickler selbst und sollte entsprechend als solche verstanden werden.
Keine Anmeldung und kein Abonnement
Photon Studio verfolgt derzeit ein ziemlich simples Preismodell:
Es kostet nichts.
Die offizielle Webseite bezeichnet die Anwendung schlicht als kostenlos.
Der Entwickler erklärte außerdem öffentlich, dass Photon Studio dauerhaft kostenlos bleiben und keine kostenpflichtigen Premium-Stufen bekommen soll. Das Projekt soll momentan unter anderem über freiwillige Spenden unterstützt werden.
Ob dieses Finanzierungsmodell langfristig funktioniert, muss sich natürlich erst zeigen.
Gerade bei aufwendiger Desktop-Software entstehen schließlich dauerhaft Kosten für Entwicklung, Support und Wartung.
Schon mehr als 25.000 Nutzer?
Der Entwickler sprach Ende September davon, dass Photon Studio bereits von mehr als 25.000 Menschen verwendet werde.
Diese Zahl stammt allerdings vom Entwickler selbst und wurde bislang nicht unabhängig bestätigt.
Für ein so junges Projekt wäre das trotzdem ein ziemlich schneller Start.
Das Interesse zeigt zumindest, dass es weiterhin eine große Nachfrage nach lokaler Bildbearbeitungssoftware ohne laufendes Abonnement gibt.
Ist Photon Studio wirklich schon ein Photoshop-Ersatz?
Hier sollte man die Erwartungen etwas bremsen.
Photon Studio bietet erstaunlich viele Funktionen und orientiert sich offensichtlich an einem professionelleren Workflow.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass Adobe Photoshop bereits vollständig ersetzt wird.
Photoshop besitzt nach Jahrzehnten Entwicklung einen enormen Funktionsumfang, ein riesiges Plug-in-Ökosystem, sehr ausgereifte Farb- und Druckfunktionen sowie eine enge Integration mit Illustrator, Lightroom, InDesign und anderen Adobe-Anwendungen.
Photon Studio ist dagegen noch ziemlich jung.
Gerade bei professionellen Projekten dürften deshalb Fragen wichtig werden wie:
Wie zuverlässig funktionieren große PSD-Dateien?
Wie gut ist das Farbmanagement?
Wie stabil läuft die Anwendung bei großen Dokumenten?
Welche Funktionen fehlen noch?
Wie gut funktioniert der Austausch mit Photoshop?
Wie schnell werden Fehler behoben?
Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich das Programm im praktischen Einsatz schlägt.
Konkurrenz gibt es reichlich
Photon Studio betritt außerdem keinen leeren Markt.
Wer Photoshop nicht verwenden möchte, hat bereits mehrere Alternativen.
Dazu gehören beispielsweise:
GIMP – kostenlos und Open Source.
Krita – besonders stark bei digitaler Malerei und Illustration.
Photopea – läuft direkt im Browser und bietet eine Oberfläche, die stark an Photoshop erinnert.
Daneben gibt es weitere kommerzielle und kostenlose Bildeditoren.
Photon Studio versucht sich vor allem durch die Kombination aus moderner Oberfläche, lokaler Verarbeitung, PSD-Unterstützung und kostenloser Nutzung abzuheben.
Nicht Open Source
Einen Punkt sollte man dabei nicht verwechseln:
Kostenlos bedeutet nicht Open Source.
Photon Studio wird kostenlos angeboten, der Quellcode der Anwendung ist aber nicht frei verfügbar.
Wer ausdrücklich eine freie Open-Source-Bildbearbeitung sucht, ist beispielsweise bei GIMP in einer anderen Kategorie unterwegs.
Das macht Photon Studio nicht schlechter – es ist einfach ein anderes Modell.
Der Offline-Ansatz gefällt mir besonders
Gerade in Zeiten, in denen immer mehr Software versucht, Dateien zuerst in irgendeine Cloud zu schieben, gefällt mir der Ansatz von Photon Studio ziemlich gut.
Eine Bildbearbeitung sollte meiner Meinung nach nicht zwingend eine Internetverbindung benötigen, nur damit ich ein Foto retuschieren oder einen Hintergrund entfernen kann.
Photon Studio macht genau das lokal.
Datei öffnen, bearbeiten, speichern.
Eigentlich vollkommen selbstverständlich – inzwischen aber fast schon wieder ein besonderes Feature.
Fazit
Photon Studio ist eine der interessanteren neuen Photoshop-Alternativen.
Das Programm ist kostenlos, läuft auf Windows 11, macOS und Linux und bringt bereits eine überraschend umfangreiche Ausstattung mit.
Ebenen, Masken, Smart Objects, Einstellungsebenen, Retusche, Liquify, Kurven, Ebeneneffekte und PSD-Unterstützung sorgen dafür, dass die Anwendung deutlich mehr ist als ein einfacher Fotoeditor.
Besonders interessant finde ich die lokale Verarbeitung.
Selbst Funktionen wie Motivauswahl und Hintergrundentfernung laufen direkt auf dem eigenen Rechner. Ein Account oder permanenter Cloud-Upload ist nicht notwendig.
Ob Photon Studio Photoshop für professionelle Nutzer wirklich vollständig ersetzen kann, lässt sich momentan noch nicht sagen.
Dafür ist das Projekt schlicht zu jung.
Wer aber gelegentlich Grafiken für einen Blog erstellt, Fotos bearbeitet, PSD-Dateien öffnen möchte oder einfach keine Lust auf ein weiteres Software-Abonnement hat, sollte Photon Studio definitiv einmal ausprobieren.
Und Konkurrenz kann Adobe im Bereich der Desktop-Bildbearbeitung ohnehin nicht schaden.