Google Messages arbeitet an Videoanrufen direkt über RCS

Google arbeitet offenbar an einer ziemlich großen Erweiterung für Google Messages. Nachdem RCS klassische SMS bereits um Lesebestätigungen, Tippanzeigen, hochauflösende Medien und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung erweitert hat, könnte bald die nächste Funktion folgen:
native Videoanrufe direkt über RCS.
Neue Hinweise in einer aktuellen Beta-Version von Google Messages zeigen, dass Google die notwendige Oberfläche und Technik inzwischen deutlich weiter ausbaut. Noch lässt sich die Funktion allerdings nicht verwenden und einen offiziellen Starttermin gibt es ebenfalls nicht.
Videoanrufe gibt es in Messages eigentlich schon
Ganz neu sind Videoanrufe innerhalb von Google Messages natürlich nicht.
Wer heute in einer Unterhaltung auf das Kamera-Symbol tippt, kann je nach Gerät und Gegenstelle beispielsweise einen Videoanruf über Google Meet beziehungsweise eine vom Mobilfunkanbieter unterstützte Videotelefonie starten.
Das eigentliche Gespräch läuft dabei aber nicht als Bestandteil des RCS-Chats.
Mit den geplanten RCS-Videoanrufen würde sich genau das ändern. Der Videoanruf wäre direkt Bestandteil des zugrunde liegenden Kommunikationsstandards und könnte aus dem vorhandenen Chat heraus gestartet werden.
Neue Hinweise in der Google-Messages-Beta
Erste Hinweise auf RCS-Videoanrufe waren bereits im Mai 2026 in Google Messages aufgetaucht.
Damals bestand der Fund allerdings praktisch nur aus einer einzelnen Textreferenz. Daraus ließ sich zwar erkennen, dass Google mit der Funktion experimentiert, aber nicht, wie weit die Entwicklung tatsächlich fortgeschritten war.
Inzwischen gibt es deutlich mehr.
In der aktuellen Beta mit der Versionsbezeichnung:
messages.android_20260924_00_RC00.phone.openbeta_dynamic
wurden mehrere neue Einträge entdeckt, die ausdrücklich zu einer RCS-Videotelefonie gehören.
Darunter befinden sich Texte für eine neue Bestätigungsoberfläche mit Angaben wie:
„Call?“
sowie Schaltflächen für:
„Call“ und „Cancel“.
Auch die Möglichkeit, den Namen des gewünschten Gesprächspartners innerhalb dieses Fensters anzuzeigen, ist bereits vorgesehen.
Google prüft offenbar, ob der Empfänger erreichbar ist
Noch interessanter sind einige technische Einträge im Code.
Dort finden sich unter anderem Hinweise auf einen sogenannten:
RcsVideoCapabilityChecker
Die Anwendung soll demnach überprüfen können, ob ein Kontakt beziehungsweise mehrere Gesprächsteilnehmer überhaupt über RCS-Video erreichbar sind.
Außerdem existieren Fehlerhinweise für Situationen, in denen kein entsprechender RCS-Video-Controller verfügbar ist oder der gewünschte Empfänger keine RCS-Videoanrufe unterstützt.
Damit sieht es nicht mehr nur nach einem experimentellen Platzhalter aus.
Google baut offenbar bereits die Logik auf, mit der Messages erkennen kann, ob ein Videoanruf mit dem jeweiligen Kontakt tatsächlich möglich ist.
Die Grundlage liefert RCS Universal Profile 4.0
Google erfindet dafür keinen eigenen Videostandard.
Die technische Grundlage wurde bereits Anfang 2026 mit dem RCS Universal Profile 4.0 geschaffen.
Die GSMA veröffentlichte die Spezifikation im Februar beziehungsweise stellte die Neuerungen im März ausführlicher vor. Eine der wichtigsten Erweiterungen heißt:
Messaging-Initiated Video Calls – kurz MIVC.
Damit kann eine bestehende RCS-Unterhaltung direkt in einen Videoanruf übergehen.
Das funktioniert laut Spezifikation sowohl für:
Einzelchats
als auch Gruppenchats
Die GSMA sieht dabei Videoanrufe mit bis zu 32 Teilnehmern vor.
Videoanruf direkt aus dem Chat heraus
Die Idee dahinter ist ziemlich simpel.
Man schreibt mit jemandem über RCS und möchte das Gespräch anschließend per Video fortsetzen.
Statt eine separate App wie Meet zu öffnen, soll man direkt innerhalb der Unterhaltung auf den Videoanruf wechseln können.
Bei Gruppen soll ein laufender RCS-Videoanruf zusätzlich weiterhin über den Chat erreichbar bleiben.
Wer den ursprünglichen Anruf verpasst hat, könnte dadurch später noch in das laufende Gespräch einsteigen. Die entsprechenden Anrufinformationen sollen außerdem innerhalb der Chat-Historie synchronisiert werden.
Damit würde sich RCS deutlich stärker an Messenger wie WhatsApp oder iMessage annähern.
Technisch basiert das Ganze auf WebRTC
Interessant ist auch die technische Umsetzung.
Die GSMA definiert für RCS-Videoanrufe einen sogenannten RCS Video Chat, der auf WebRTC basiert.
Dieser kann als Ergänzung oder Alternative zur klassischen Videotelefonie über Mobilfunknetze wie Video over LTE eingesetzt werden.
WebRTC wird bereits von zahlreichen Kommunikationsdiensten für Echtzeit-Audio und -Video verwendet.
Google muss für Messages also nicht komplett bei null anfangen.
Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist ebenfalls vorgesehen
Videoanrufe über RCS sollen auch beim Thema Datenschutz nicht hinter modernen Messengern zurückfallen.
Die aktuelle RCS-Spezifikation beschreibt ausdrücklich die Unterstützung von Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für RCS-Videoanrufe.
Damit wäre grundsätzlich vorgesehen, dass die Inhalte eines solchen Gesprächs nur von den beteiligten Geräten verarbeitet werden können.
RCS-Unterhaltungen in Google Messages unterstützen ohnehin bereits Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Seit Mai 2026 wird diese zudem schrittweise auch für verschlüsselte RCS-Kommunikation zwischen Android und iPhone ausgerollt.
Die technische Basis für geschützte plattformübergreifende Kommunikation wird damit zunehmend vollständiger.
Kommen Videoanrufe zwischen Android und iPhone?
Und genau an diesem Punkt wird es besonders interessant.
RCS ist schließlich längst kein reines Android-Thema mehr.
Auch das iPhone unterstützt RCS, wodurch Android- und iPhone-Nutzer unter anderem Nachrichten, Fotos und Videos deutlich komfortabler austauschen können als über klassische SMS und MMS.
Das RCS Universal Profile 4.0 wurde ausdrücklich so entwickelt, dass Videoanrufe interoperabel über verschiedene Geräte und Netzwerke hinweg funktionieren können.
Theoretisch könnte damit irgendwann Folgendes möglich werden:
Google Messages auf Android → RCS-Videoanruf → Nachrichten-App auf dem iPhone
Das wäre ziemlich interessant.
Aber Apple muss mitspielen
Genau hier sollte man allerdings vorsichtig sein.
Dass der Standard plattformübergreifende Videoanrufe ermöglicht, bedeutet noch lange nicht, dass Apple die Funktion auch tatsächlich in seine Nachrichten-App integriert.
Bisher gibt es keine bestätigte Ankündigung von Apple, Messaging-Initiated Video Calls aus RCS Universal Profile 4.0 zu unterstützen.
Auch Google hat bisher keinen plattformübergreifenden Start angekündigt.
Die technische Möglichkeit existiert also – die tatsächliche Unterstützung auf beiden Plattformen noch nicht.
Zumindest auf Android wirkt die Entwicklung inzwischen deutlich konkreter.
RCS wächst immer weiter
RCS wurde ursprünglich hauptsächlich als moderner Ersatz für SMS und MMS vermarktet.
Inzwischen ist der Standard allerdings wesentlich umfangreicher.
Zu den bereits verfügbaren beziehungsweise in neueren Spezifikationen vorgesehenen Funktionen gehören unter anderem:
Lesebestätigungen
Tippanzeigen
Gruppenchats
hochwertige Fotos und Videos
Reaktionen
Antworten auf einzelne Nachrichten
Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
Textformatierungen
bessere Medienübertragung
und künftig native Videoanrufe
Mit Universal Profile 4.0 kamen neben Videoanrufen außerdem Verbesserungen für formatierte Nachrichten und den Austausch hochwertiger Mediendateien hinzu.
RCS entwickelt sich dadurch immer stärker von einem simplen SMS-Nachfolger zu einem vollständigen Messenger-Standard.
Universal Profile 4.1 ist inzwischen ebenfalls fertig
Interessanterweise ist selbst Version 4.0 inzwischen nicht mehr die aktuellste RCS-Spezifikation.
Im Juli 2026 veröffentlichte die GSMA bereits Universal Profile 4.1.
Dabei stehen allerdings weniger spektakuläre neue Funktionen im Vordergrund. Stattdessen wurden vor allem die technische Grundlage, Stabilität, Ressourcennutzung und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verbessert.
Die mit Version 4.0 eingeführten Videoanrufe bleiben damit weiterhin Bestandteil der aktuellen RCS-Generation.
Wann startet die Funktion?
Das lässt sich momentan nicht beantworten.
Google hat RCS-Videoanrufe für Google Messages bislang nicht offiziell angekündigt.
Die entdeckten Bestandteile stammen aus einer Beta-Version und wurden durch eine Analyse der App gefunden.
Solche sogenannten APK-Teardowns zeigen Funktionen, an denen Google arbeitet. Sie garantieren aber nicht, dass eine Neuerung kurzfristig erscheint oder überhaupt in der derzeitigen Form veröffentlicht wird.
Google testet regelmäßig Funktionen in Messages, die teilweise erst Monate später freigeschaltet werden.
Ein Startdatum für RCS-Videoanrufe gibt es daher noch nicht.
Trotzdem ist die Entwicklung deutlich weiter
Im Vergleich zu den ersten Hinweisen im Mai hat sich allerdings einiges verändert.
Damals gab es lediglich eine einzelne Referenz auf RCS-Videoanrufe.
Jetzt finden sich:
eine geplante Bestätigungsoberfläche
Anruf- und Abbrechen-Schaltflächen
Empfängernamen
eine Prüfung der RCS-Video-Fähigkeiten
Fehlerbehandlung für nicht erreichbare Kontakte
und Funktionen zum Starten des eigentlichen RCS-Videoanrufs
Damit verdichten sich die Hinweise deutlich, dass Google ernsthaft an einer Umsetzung arbeitet.
Fazit
Google Messages könnte mit nativen RCS-Videoanrufen einen ziemlich großen Schritt machen.
Statt Videochats über eine separate Anwendung wie Google Meet zu starten, könnten Gespräche künftig direkt aus einem bestehenden RCS-Chat heraus aufgebaut werden.
Die technische Grundlage dafür existiert bereits seit RCS Universal Profile 4.0. Der Standard unterstützt Einzel- und Gruppen-Videoanrufe mit bis zu 32 Teilnehmern und sieht sogar Ende-zu-Ende-Verschlüsselung vor.
Die neuen Code-Funde in Google Messages zeigen nun, dass Google bei der praktischen Umsetzung weiter vorankommt.
Noch ist die Funktion allerdings nicht freigeschaltet und nicht offiziell angekündigt. Einen Termin gibt es ebenfalls nicht.
Besonders spannend wäre eine spätere Unterstützung auf dem iPhone.
Dann könnte RCS nicht mehr nur die Lücke zwischen Android und iOS beim Nachrichtenaustausch verkleinern, sondern irgendwann sogar native Videoanrufe zwischen beiden Plattformen ermöglichen.
Ob Apple dabei mitzieht, ist momentan allerdings noch völlig offen.
Bis dahin gilt:
Google Messages bereitet sich auf RCS-Videoanrufe vor – aber wir befinden uns noch eindeutig in der Entwicklungsphase.